Michelberg

Kulturspaziergang Michelberg
Sonntag, 21.06.2015, 15.00 Uhr
Treffpunkt Parkplatz am Berg

Geologie:
Wir stehen jetzt am Michelberg und manche werden sich fragen, wie und wann der Berg entstanden ist. Der Michelberg, mit seiner Höhe von 409 Metern, gehört zur Waschbergzone (Waschberg 388 m). Das ist ein geologischer Streifen, der sich weiter über die Leiser Berge (491 m), die Staatzer Klippe (332 m) und die Falkensteiner Klippe (415 m) bis zu den Pollauer Bergen (554 m) in Südmähren erstreckt. Die Zone entstand, als zwei geologische Einheiten – die Molassezone und das Wiener Becken – im Zuge der Alpenauffaltung im unteren Miozän vor rund 17 Millionen Jahren aufeinander geschoben wurden. Dabei wurden bestimmte Gesteine aus dem Untergrund abgeschürft, an die Oberfläche befördert und „schwimmen“ nun sozusagen in der umgebenden mergeligen Klippenhülle, also ohne eine Verbindung zum kristallinen Untergrund zu besitzen. Da die Kalkgesteine härter als die Hülle sind, wurden sie durch Verwitterung freigelegt und bilden markante Landschaftselemente. Der Gipfelbereich ist von einer Platte aus eozänem Kalkstein bedeckt. Die Michelberg- wie auch die Waschbergkalke sind reich an Nummuliten und anderen Fossilien einer früheren Seichtwasserfauna. Im südlichen und östlichen Bereich verläuft ein Streifen, welcher eingestreute Blöcke aus Sandstein, Mergelstein, Granit und Gneis enthält. Ein solcher aus dem Untergrund hochgeschürfter Granitblock ist der Teufelstein. Über ihn existiert eine Sage, die wir dann später beim Teufelstein hören werden. Weitere Findlinge sind der Stein bei der Hirtenrast und der Panoramastein.

Schotterwerk, Kalksteinbruch:
Es gab einige Steinbrüche, mit dem aus prähistorischen Münztieren gebildeten Kalkgestein, das auch Nummulitenkalk genannt wird. Auf dem Parkplatz, wo wir hier stehen, wurde der Kalkstein abgebaut. Der Steinbruch gehörte damals der Gemeinde Haselbach.
Schon 1867 wurden Bausteine vom Steinbruch gebrochen, um die Kapelle am Berg zu errichten.
1885 wurde im Ort der Hofraum zwischen Pfarrhof und Kuhstall mit Steinplatten vom Michelberg gepflastert (Pfarrchronik). Zuerst wurde der Steinbruch von der Gemeinde betrieben, bis ca. 1897. Dann erscheint ab 1898 Alois Pascon als Pächter, der Schotter für den Straßenbau erzeugte und größere Steine für den Hausbau herstellte. Größter Abnehmer war der Bezirks-Straßen-Ausschuss Stockerau, später als Straßenverwaltung Stockerau bekannt. Der gewonnene Bruchstein wurde allgemein als Baumaterial in der Umgebung genutzt. Der Muschelkalk war und ist auch der ideale Kalkstein zum Kalkbrennen. Dieses Kalkbrennen fand nicht an Ort und Stelle statt, sondern der Kalkstein wurde mit Pferdefuhrwerken nach Stockerau zum Kalkofen gebracht und dort verarbeitet. Zement war damals noch nicht bekannt. Daher wurde dieser Kalkofen auf dem Gelände, auf dem heute die Büros der EVN stehen, errichtet. Die letzten Reste dieses Kalkofens wurden um 1950 abgebrochen. Das Gebäude des Kalkofens war unmittelbar neben der Bahnstation gelegen und hatte einen direkten Zugang zum Frachtenbahnhof. So war die Verfrachtung des Kalks nach Wien und Umgebung problemlos und billig, wie die Zufuhr der zum Brennen benötigten Kohle. Außerdem wurde vom Gaswerk, dem Nachbarn des Kalkofens der dort anfallende Koks verfeuert.
Die Familie Pascon betrieb außer dem Steinbruch auch das Gasthaus hier am Michelberg.
Am 29.01.1915 ereignete sich im Gasthaus ein tragischer Unfall. Der Pächter Pascon wollte seinen Hund mit einem alten Gewehr erschießen. Da das Gewehr versagte, wollte er nun den Hund mit dem Gewehrkolben erschlagen, wobei sich ein Schuss löste und das Blei in den Unterleib des Hundebesitzers drang. Wegen des vielen Schnees fuhr der Pfarrer Gaudenz Krause mit dem Schlitten den Berg hinauf, um die Sakramente zu spenden. Am 31.01.1915 fand dann das Leichenbegängnis des nach seinem Unfall verstorbenen Alois Pascon statt. Die Leiche wurde nach der Einsegnung nach Stockerau überführt. Bis zum Jahre 1923 war Familie Pascon Pächter des Kalkbruches und des Gasthauses.
Franz Haller kaufte 1933 das Gasthaus von der Gemeinde Haselbach und betrieb es bis 1940; ebenso pachtete er den Steinbruch. Bei einem Unfall am 01.12.1940 kam Franz Haller ums Leben. Kurze Zeit später verstarb auch seine Frau, Christine.
Am 08.04.1942 kauften die Eheleute Engelbert und Johanna Stöcklmayer die Liegenschaft und das Gasthaus von den Geschwistern Haller, die es von den verstorbenen Eltern geerbt hatten und betrieben das Gasthaus am Berg und im Ort.
Nach dem Tode der Stöcklmayers erbte Horst Labschütz diese Liegenschaft. Seither wurde das Gasthaus immer wieder verpachtet, wie z. B. an Johanna Aigner, an Manfred Kreuzmann…
Der jetzige Pächter und Betreiber ist Roman Berwein.

Teufelstein:
Wie schon erwähnt, wurde dieser Stein vor ca. 17 Millionen Jahren aus dem Untergrund hochgeschürft und liegt seitdem an dieser Stelle. Es ist ein riesiger Granitblock, um den sich natürlich auch eine Sage rankt, die vor 1700 entstand:
Sage aus dem Buch „Volkssagen aus dem Bezirk Korneuburg“

Gedenkstein des 2. Weltkrieges:
Der Augenzeuge, Herr Josef Wittek sen. ließ diesen Stein 1995 als Erinnerung an den letzten Frontverlauf des 2. Weltkrieges und als Mahnung für die zukünftigen Generationen aufstellen. Der Frontstein bei der Hirtenrast zeigt diesen Frontverlauf. Heuer Gedenken wir 70 Jahre Ende des 2. Weltkrieges.

Michaelibründl:

Auf einem beruhigenden Kraftplatz entspringt eine Quelle, die schon sehr alt ist und ein frisches kühles Wasser führt. Sie führte immer Wasser, das z.B. schon vor 1870 bei der Ziegelherstellung von Michael Hallers Ziegelofen verwendet wurde. Sowohl Wasser als auch Lehm musste in großen Mengen vorhanden gewesen sein, sodass sich der Betrieb lohnte.
Auch im 2. Weltkrieg wurde das Wasser als Trinkwasser für die hier stationierten Soldaten für die kleine Kaserne und die Funkmessanlage genutzt.
2 Häuser wurden auch mit Wasser versorgt.
Der Kneippverein Stockerau stellte vor einigen Jahren zum Kneippen einen Trog für das Armbad und ein Becken zum Wassertreten her. Seit 2 Jahren ist die Anlage verwaist, aber vor 2 Monaten hat sich der Kneippverein wieder gegründet und vielleicht wird die Anlage neuerlich aktiviert. Sie ist schon sehr renovierungsbedürftig.

Ausführungen von Ernst Wolfinger

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Kapelle:

Erklärungen aus dem neuen Buch von Frau Krammer

Ausgrabungen der alten Kirchen:

Dr. Lauermann referiert über die Geschichte der alten Kirchen und die Fundamente aus dem 2. Weltkrieg.